Filmblog, Medienblog und der ganz normale Wahnsinn
tth | 08 Juli, 2005 16:46
Wenn man an Kannibalenfilme denkt, denkt man zumeist die müssten irgendwas mit dem südlichen Europa zu tun haben oder seien im fernen Südamerika entstanden. Das soll aber nicht heißen, dass man im kalten Norden keine guten Filme über Kannibalismus machen kann. Wie gut so was werden kann sieht man an Dänische Delikatessen.
Es geht um zwei Schlachter, Svend und Bjarne, die ihre eigene Metzgerei eröffnen wollen. Um an das nötige Kapital zu kommen ringt sich Bjarne letzten Ende sogar durch bei seinem im Koma liegenden Bruder den Stecker zu ziehen um so an sein Erbe zu kommen. Doch als der Laden endlich eröffnet ist, klappt nichts so, wie die beiden Fleischer sich das vorgestellt hatten. Das Geschäft kommt kein bisschen in Schwung, da den beiden eine Delikatesse fehlt um gegen die Wurst ihres alten Meisters anzukommen. Schließlich wird Svend auch noch von seiner Freundin verlassen und sperrt über diesen Schreck aus versehen einen Elektriker im Kühlraum ein. Unter Schock stehend verarbeitet er nun ein Bein des Elektrikers zu Filets leckt sie in Marinade ein und verkauft sie an seinen alten Chef. Dummerweise schmeckt dieses Fleisch wohl (verständlicherweise eigentlich^^) so gut, dass den beiden Metzgern die Bude förmlich eingerannt wird. Zu dem Problem des Nachschubbeschaffens kommt auch noch, dass Bjarne Bruder auf einmal doch aus dem Koma aufwacht und für reichlich Verwirrung sorgt. Bjarne selbst kommt außerdem gar nicht mehr dazu sich voll und ganz der Arbeit zu widmen, da sich zwischen ihm und der schönen Friedhofsangestellten Astrid irgendwie gefunkt zu haben scheint.
Eins vorweg: Um seinen Spaß an diesem kleinen aber feinen Dänische Film, sollte man etwas für Fleisch und noch viel mehr für rabenschwarzen Humor übrig haben. Wer dann nebenbei noch etwas für skurrile Typen übrig hat ist hier bestens Aufgehoben. Die beiden Helden des Films für sich sind schon klasse, wobei der unter Schweißausbrüchen leidende, sich ständig als Opfer fühlende Svend die bessere Figur macht. Bjarne, der es nach eigenen Angaben nicht mal merken würde wenn seine Haare brennen würden, weil er so viele Joints raucht wirkt gegen ihn eher schwach. Jedoch kann Bjarne Darsteller noch zeigen was er kann wenn Bjarnes Bruder Eigil ins Spiel kommt. Dieser wird ebenfalls von ihm gespielt und ist an Skurrilität fast nicht zu übertreffen. Den Preis für die philosophischste Erkenntnis erhält jedoch der alte Metzgermeister für seine mystische Aussage über Wurst. Oder bezweifelt jemand, dass es nichts erniedrigenderes für ein Tier gäbe, als geschlachtet zu werden und anschließend in seinen eigenen DARM gepresst zu werden? Außerdem noch zu erwähnen ist der alte Pfarrer, der (als schöne Anspielung auf „alive“) einst, nach einem Flugzeugabsturz seine Frau verspeist hat. Dieses macht endlich mal den Religiösen Aspekt des Kannibalismus klar. Alles in allem ein super unterhaltsamer Film, der auch denen ans Herz gelegt sei, die normalerweise bei der Wortkombination Kannibalismus und Film schon rot sehen.
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