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Filmblog, Medienblog und der ganz normale Wahnsinn

Behind the Green Door (1972)

tth | 06 November, 2007 18:27

Über die Entführung einer jungen Frau berichten zwei Männer in einer Imbisbude. Die Hintergründe der Tat und die Frage, ob es sich hierbei um ein echtes Kidnapping, werden nicht klar. Gloria Saunders, so der Name der Frau, wird zuerst einer erotischen Massage unterzogen und dann durch die Titelgebende grüne Tür gebracht.

Auf einer Bühne, auf der kurz zuvor noch ein Pantomime stand, beginnt eine Gruppe von Frauen sie vollständig zu entkleiden, am ganzen Körper zu Küssen und zu lecken. Schließlich tritt ein dunkelhäutiger Mann durch die grüne Tür. Er trägt nur eine enge weiße Hose, aus der sein Penis herausragt. Er beginnt Sex mit Gloria zu haben. Das gesamte Treiben wird von einer Gruppe maskierter Menschen beobachtet, die nach und nach damit beginnen zu masturbieren.

Dem Sex mit einem Mann folgt die berühmte Trapezszene. In dieser sitzt Gloria in der Mitte von drei Männern, die auf Schaukeln sitzen und mit denen sie Oralsex hat. Den Abschluss bildet die surreal verfremdete Cumshot Szene.

Deep Throat ist der legendärere Pornofilm, aber „Behind the Green Door“ ist definitiv der bessere Film an sich. Ein Porno im heutigen Sinne kann man ihn nicht nennen. Natürlich gibt es explizite Sexszenen, was zu gut deutsch heißt, dass richtig gefickt wird und die Kamera das auch im Blick hat. Doch bis es zum harcore Sex kommt, vergehen alleine schon 30 Minuten, die innerhalb des Films ein Vorspiel bilden.

Die Sexszene zwischen Gloria und dem „Afrikanischen Hengst“ ist astethisch dem heutigen Porno natürlich um Lichtjahre voraus. So wird nicht stumpf, permanent die Penetration als solche gezeigt, sondern wert darauf gelegt, die beiden Darsteller ins rechte Licht zu rücken.

Einen noch stärken Reiz macht die Trapezszene aus. Radikale Feministinnen könnten eine sexuelle Ausbeutung der Frau in die Szene hineininterpretieren. Aber jenseits von möglichen Interpretationen, ist die Szene noch stärker surreal in Szene gesetzt, als die vorangegangen. Den Höhepunkt erreicht „Behind the Green Door“ im Abschluss dieser Szene. Die Ejakulation in Glorias Gesicht spielt sich in Zeitlupe ab und hat so gar nichts mit japanischem Bukkake zu tun. Vielmehr wurde die surreale Verfremdung auf den Gipfel getrieben. So sorgen psychedelische Verfremdungen dafür, dass die Szene eher Ähnlichkeit mit Walter Ruttmanns Opus 1 hat, als mit jedem anderen Pornofilm.

Einen Gegensatz zur pornografischen Ästhetik von Glorias Sex auf der Bühne bilden die Zuschauer. Diese wirken in ihren Handlungen real, während das Treiben auf der Bühne stilistisch wie eine Traumsequenz wirkt. Der surreale Eindruck von „Behind the Green Door“ wird dadurch verstärkt, dass Hauptdarstellerin Marilyn Chambers während des gesamten Films kein Wort sagt. Dümmliche Pornodialoge bekommt man so nicht zugemutet. Diese wären auch nicht nötig, da körperlichen Dialoge vollkommen ausreichen um den Film zu erzählen. Ferner hat der „Behind the green Door“ keinen schmutzigen Anklang. Marilyn Chambers strahlt eine reine Unschuld aus und ist dabei noch so hübscher als die meisten Darstellerinnen, die der spätere Pornoboom hervorbrachte.

Ähnlich interessant wie der Film an sich sind seine Hintergründe. Die Regisseure Artie Mitchell und Jim Mitchell (die übrigens die beiden Entführer spielen) hatten Marilyn Chambers im Film „Together“ gesehen. Together wurde produziert von „Nightmare on Elmstreet“ Schöpfer Schöpfer Wes Craven und Regie führte „Freitag der 13te“ Macher Friday the 13th. Die Mitchell Brüder boten Marilyn Chambers zuerst eine Rolle im Film an, in der sie keinen Sex hätte haben müssen. Jedoch übernahm sie die Hauptrolle für die Gage von 25,000 Dollar und 1 Prozent der Einnahmen. Dieses dürfte ihr ein hübsches Sümmchen eingebracht haben, da der Film mehrere Millionen Dollar einspielte.

Marilyn Chambers schockte neben der Tatsache, dass sie als hübsches Mädchen überhaupt in einem Pornofilm mitspielte noch weiter. Sie hatte in dem Film Sex mit einem Afroamerikaner. Den Gesellschaftlichen  Aufschrei zurzeit, in der die Rassentrennung sich noch nicht durchgesetzt hatte kann man sich vorstellen. Außerdem war sie als der Film herauskam das Gesicht der Werbekampagne von Ivory, einem Seifenhersteller, der ein Image der Sauberkeit und Reinheit zelebrierte. Das englische Wikipedia weiß folgendes, was nicht wirklich zu diesem Image passt zu berichte: „She was noted for her enthusiastic performances of deep throat, anal, lesbian, interracial, extreme bukkake, and double or triple penetration scenes.“

 

Schlussendlich ist „Behind the Green Door“ ein Film, der zum einen wegen seiner historischen Bedeutung, aber noch mehr auf Grund seiner surrealen Inszenierung, fesselt. Schade ist nur, dass der künstlerische Anspruch in dem Pornoboom, der mit Deep Throat losgetreten wurde, vollends unterging. So wurde nie etwas aus dem Traum, dass sich die großen Studios dem Porno annehmen könnten. Stanley Kubrick starb leider auch zu früh um sein „Blue Movie“ noch zu verwirklichen.


 

 

Regie

Artie Mitchell              (as Artie J. Mitchell)

Jim Mitchell                 (as James L. Mitchell)

 

Buch

Anonymous                 (story)

Jim Mitchell                

 

Besetzung (In der Reihenfolge des Abspanns)

            Marilyn Chambers       ...         Gloria Saunders

            George S. MacDonald ...         Barry Clark (as George S. McDonald)

            Johnny Keyes  ...         The African Stud (as Johnnie Keyes)

            Lisa Grant        ...         The Matron

            Yank Levine    ...         Truck Driver

 

            Angela Castle   ...         The Mime (as Toad Attell)

            Ben Davidson  ...         Porter the Bouncer

            Adrienne Mitchell         ...         Waitress

            Dana Fuller      ...         Cook

            Dale Meade     ...         Hotel Clerk

            Jim Mitchell      ...         First Kidnapper (as James Mitchell)

            Artie Mitchell   ...         Second Kidnapper (as Art Mitchell)

            Mike Bradford ...         Parking Lot Attendant

            Tony Royale    ...         Guard

            Bunny Brody    ...         Female Attendant

            Barbara Bryan ...         Female Attendant

            Bernice Mayo  ...         Female Attendant

            Kandi Johnson ...         Female Attendant

            Rabin Dranthra ...         Female Attendant

            Barbara Parker            ...         Female Attendant

            Mike Jones      ...         Male Attendant

            Tom Kloud      ...         Male Attendant

            Ariel Porny      ...         Male Attendant

            Tyler Reynolds ...         Male Attendant (as Tyler Home)

            Ted McKnight ...         Male Attendant

            Rick Dayton     ...         Male Attendant

            Kurt Harmon   ...         Audience (as Kirt Harmon)

            Jan Harmon     ...         Audience

            Nancy Willson ...         Audience

            Leticia Torrez   ...         Audience

            George Marconi          ...         Audience

            Jerry Ross        ...         Audience

            Mira Vane       ...         Audience

            Barry Vane      ...         Audience

            Martha Strawberry      ...         Audience

            Hadley V. Baxendale   ...         Audience

            Erin Lee           ...         Audience

            Bill Hadley       ...         Audience

            Michael Gebe  ...         Audience

            Richard Coburn           ...         Audience

übrige Besetzung in alphabetischer Reihenfolge:

            Jon Martin       ...         Audience member (uncredited)

            Cindy Taylor    ...         Audience member (uncredited)

 

Produktion

Jim Mitchell      ....        producer

 

Originalmusik

Daniel Le Blanc                     

 

Kamera

Jon Fontana                (as Jon T. Fontana)

 

Schnitt

Jon Fontana                (as Jon T. Fontana)

 

Kostüme

Loralyn Baker            

 

Maske/Frisuren

John Chatburn  ....        additional makeup artist

John Chatburn  ....        hair stylist

Bianca Garcia  ....        additional hair styles and makeup

Elizabeth Leach            ....        makeup artist

Ariel Porny      ....        additional hair styles and makeup

Nancie Walton ....        additional hair styles and makeup

 

Produktionsleiter (production managers)

Adrienne Mitchell         ....        production manager

 

Ausstattung (Stab)

Don Sidle         ....        art designer

 

Ton Stab

Alex R. Benton            ....        sound mixer

Alex R. Benton            ....        sound recordist

Neil Murphy    ....        special sound effects

 

Spezialeffekte

Mark Bradford            ....        special effects

Gary Richardson          ....        special effects

 

Kamera und Elektrik (Stab)

Loralyn Baker  ....        still photographer

Mike Bradford ....        key grip

Dana Fuller      ....        additional photographer

Dana Fuller      ....        key gaffer

Earl Shagley     ....        additional photographer

 

Musik (Stab)

Eileen Etchells  ....        musician

Joseph Lacey   ....        musician

Daniel Le Blanc           ....        musician

David Lewark  ....        musician

Eric Neilson     ....        musician

 

Restlicher Stab

Mark Bradford            ....        titles

Bruce Hatch     ....        technical director

Gary Richardson          ....        titles


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