Filmblog, Medienblog und der ganz normale Wahnsinn
tth | 06 November, 2007 18:27
Auf einer Bühne, auf der kurz zuvor noch ein Pantomime stand, beginnt eine Gruppe von Frauen sie vollständig zu entkleiden, am ganzen Körper zu Küssen und zu lecken. Schließlich tritt ein dunkelhäutiger Mann durch die grüne Tür. Er trägt nur eine enge weiße Hose, aus der sein Penis herausragt. Er beginnt Sex mit Gloria zu haben. Das gesamte Treiben wird von einer Gruppe maskierter Menschen beobachtet, die nach und nach damit beginnen zu masturbieren.
Dem Sex mit einem Mann folgt die berühmte Trapezszene. In dieser sitzt Gloria in der Mitte von drei Männern, die auf Schaukeln sitzen und mit denen sie Oralsex hat. Den Abschluss bildet die surreal verfremdete Cumshot Szene.
Deep Throat ist der legendärere Pornofilm, aber „Behind the Green Door“ ist definitiv der bessere Film an sich. Ein Porno im heutigen Sinne kann man ihn nicht nennen. Natürlich gibt es explizite Sexszenen, was zu gut deutsch heißt, dass richtig gefickt wird und die Kamera das auch im Blick hat. Doch bis es zum harcore Sex kommt, vergehen alleine schon 30 Minuten, die innerhalb des Films ein Vorspiel bilden.
Die Sexszene zwischen Gloria und dem „Afrikanischen Hengst“ ist astethisch dem heutigen Porno natürlich um Lichtjahre voraus. So wird nicht stumpf, permanent die Penetration als solche gezeigt, sondern wert darauf gelegt, die beiden Darsteller ins rechte Licht zu rücken.
Einen noch stärken Reiz macht die Trapezszene aus. Radikale Feministinnen könnten eine sexuelle Ausbeutung der Frau in die Szene hineininterpretieren. Aber jenseits von möglichen Interpretationen, ist die Szene noch stärker surreal in Szene gesetzt, als die vorangegangen. Den Höhepunkt erreicht „Behind the Green Door“ im Abschluss dieser Szene. Die Ejakulation in Glorias Gesicht spielt sich in Zeitlupe ab und hat so gar nichts mit japanischem Bukkake zu tun. Vielmehr wurde die surreale Verfremdung auf den Gipfel getrieben. So sorgen psychedelische Verfremdungen dafür, dass die Szene eher Ähnlichkeit mit Walter Ruttmanns Opus 1 hat, als mit jedem anderen Pornofilm.
Einen Gegensatz zur pornografischen Ästhetik von Glorias Sex auf der Bühne bilden die Zuschauer. Diese wirken in ihren Handlungen real, während das Treiben auf der Bühne stilistisch wie eine Traumsequenz wirkt. Der surreale Eindruck von „Behind the Green Door“ wird dadurch verstärkt, dass Hauptdarstellerin Marilyn Chambers während des gesamten Films kein Wort sagt. Dümmliche Pornodialoge bekommt man so nicht zugemutet. Diese wären auch nicht nötig, da körperlichen Dialoge vollkommen ausreichen um den Film zu erzählen. Ferner hat der „Behind the green Door“ keinen schmutzigen Anklang. Marilyn Chambers strahlt eine reine Unschuld aus und ist dabei noch so hübscher als die meisten Darstellerinnen, die der spätere Pornoboom hervorbrachte.
Ähnlich interessant wie der Film an sich sind seine Hintergründe. Die Regisseure Artie Mitchell und Jim Mitchell (die übrigens die beiden Entführer spielen) hatten Marilyn Chambers im Film „Together“ gesehen. Together wurde produziert von „Nightmare on Elmstreet“ Schöpfer Schöpfer Wes Craven und Regie führte „Freitag der 13te“ Macher Friday the 13th. Die Mitchell Brüder boten Marilyn Chambers zuerst eine Rolle im Film an, in der sie keinen Sex hätte haben müssen. Jedoch übernahm sie die Hauptrolle für die Gage von 25,000 Dollar und 1 Prozent der Einnahmen. Dieses dürfte ihr ein hübsches Sümmchen eingebracht haben, da der Film mehrere Millionen Dollar einspielte.
Marilyn Chambers schockte neben der Tatsache, dass sie als hübsches Mädchen überhaupt in einem Pornofilm mitspielte noch weiter. Sie hatte in dem Film Sex mit einem Afroamerikaner. Den Gesellschaftlichen Aufschrei zurzeit, in der die Rassentrennung sich noch nicht durchgesetzt hatte kann man sich vorstellen. Außerdem war sie als der Film herauskam das Gesicht der Werbekampagne von Ivory, einem Seifenhersteller, der ein Image der Sauberkeit und Reinheit zelebrierte. Das englische Wikipedia weiß folgendes, was nicht wirklich zu diesem Image passt zu berichte: „She was noted for her enthusiastic performances of deep throat, anal, lesbian, interracial, extreme bukkake, and double or triple penetration scenes.“
Schlussendlich ist „Behind the Green Door“ ein Film, der zum einen wegen seiner historischen Bedeutung, aber noch mehr auf Grund seiner surrealen Inszenierung, fesselt. Schade ist nur, dass der künstlerische Anspruch in dem Pornoboom, der mit Deep Throat losgetreten wurde, vollends unterging. So wurde nie etwas aus dem Traum, dass sich die großen Studios dem Porno annehmen könnten. Stanley Kubrick starb leider auch zu früh um sein „Blue Movie“ noch zu verwirklichen.
Regie
Artie Mitchell (as Artie J. Mitchell)
Jim Mitchell (as James L. Mitchell)
Buch
Anonymous (story)
Jim Mitchell
Besetzung (In der Reihenfolge des Abspanns)
Marilyn Chambers ... Gloria Saunders
George S. MacDonald ... Barry Clark (as George S. McDonald)
Johnny Keyes ... The African Stud (as Johnnie Keyes)
Lisa Grant ... The Matron
Yank Levine ... Truck Driver
Angela Castle ... The Mime (as Toad Attell)
Ben Davidson ... Porter the Bouncer
Adrienne Mitchell ... Waitress
Dana Fuller ... Cook
Dale Meade ... Hotel Clerk
Jim Mitchell ... First Kidnapper (as James Mitchell)
Artie Mitchell ... Second Kidnapper (as Art Mitchell)
Mike Bradford ... Parking Lot Attendant
Tony Royale ... Guard
Bunny Brody ... Female Attendant
Barbara Bryan ... Female Attendant
Bernice Mayo ... Female Attendant
Kandi Johnson ... Female Attendant
Rabin Dranthra ... Female Attendant
Barbara Parker ... Female Attendant
Mike Jones ... Male Attendant
Tom Kloud ... Male Attendant
Ariel Porny ... Male Attendant
Tyler Reynolds ... Male Attendant (as Tyler Home)
Ted McKnight ... Male Attendant
Rick Dayton ... Male Attendant
Kurt Harmon ... Audience (as Kirt Harmon)
Jan Harmon ... Audience
Nancy Willson ... Audience
Leticia Torrez ... Audience
George Marconi ... Audience
Jerry Ross ... Audience
Mira Vane ... Audience
Barry Vane ... Audience
Martha Strawberry ... Audience
Hadley V. Baxendale ... Audience
Erin Lee ... Audience
Bill Hadley ... Audience
Michael Gebe ... Audience
Richard Coburn ... Audience
übrige Besetzung in alphabetischer Reihenfolge:
Jon Martin ... Audience member (uncredited)
Cindy Taylor ... Audience member (uncredited)
Produktion
Jim Mitchell .... producer
Originalmusik
Daniel Le Blanc
Kamera
Jon Fontana (as Jon T. Fontana)
Schnitt
Jon Fontana (as Jon T. Fontana)
Kostüme
Loralyn Baker
Maske/Frisuren
John Chatburn .... additional makeup artist
John Chatburn .... hair stylist
Bianca Garcia .... additional hair styles and makeup
Elizabeth Leach .... makeup artist
Ariel Porny .... additional hair styles and makeup
Nancie Walton .... additional hair styles and makeup
Produktionsleiter (production managers)
Adrienne Mitchell .... production manager
Ausstattung (Stab)
Don Sidle .... art designer
Ton Stab
Alex R. Benton .... sound mixer
Alex R. Benton .... sound recordist
Neil Murphy .... special sound effects
Spezialeffekte
Mark Bradford .... special effects
Gary Richardson .... special effects
Kamera und Elektrik (Stab)
Loralyn Baker .... still photographer
Mike Bradford .... key grip
Dana Fuller .... additional photographer
Dana Fuller .... key gaffer
Earl Shagley .... additional photographer
Musik (Stab)
Eileen Etchells .... musician
Joseph Lacey .... musician
Daniel Le Blanc .... musician
David Lewark .... musician
Eric Neilson .... musician
Restlicher Stab
Mark Bradford .... titles
Bruce Hatch .... technical director
Gary Richardson .... titles
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