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Das wilde Leben (2007)

tth | 01 November, 2007 18:06

Neues aus der Rubrik Etikettenschwindel. Denn wild ist „Das wilde Leben“, frei nach der Lebensgeschichte von Uschi Obermaier garantiert nicht.

Uschi wächst im spießigen bayrischen Elternhaus auf und gerät auf die schiefe Bahn. Sie hört Rockmusik, was für sie quasi der Einstieg in die Welt der Sünde ist. Doch über die Nacktphotos ist Uschis Mutter ganz und gar nicht begeistert. Um dem Elternhaus zu entfliehen trampt Uschi dann nach Berlin und zieht in die Kommune 1 ein. Kommunenchef Rainer Langhans nimmt sich ihrer sogleich an. Doch die Sache mit der freien Liebe ist ganz und gar nichts für Uschi. Denn recht schnell muss sie feststellen, dass es in der Kommune 1 jeder mit jedem treibt, bzw. dass Rainer auch mit anderen Frauen Sex  hat. Uschi tröstet sich dann einfach mit Mick Jagger und Keith Richards von den Rolling Stones und gerät später an einen Zuhälter aus Hamburg, mit dem sie schließlich auf Weltreise geht.

Fangen wir mit etwas Positivem an. Natalia Avelon (die übrigens auch mit Ville Valo von HIM den Titelsong sang). Die Deutsch-Polin verkörpert Uschi Obermaier wirklich hervorragend. Aber da ist dann auch Schluss. Wenn Natalia Avelon nackt durch die Gegend turnt, mag dass am Anfang zwar ganz nette sein, aber fast zwei Stunden Film kriegt so nicht rum. Irgendwann hat man sich daran gewöhnt, dass sie ununterbrochen ihre Brüste und ihren Po in die Kamera hält. Schauspielerisch hat sie einfach nichts zu bieten. Jedoch würde ich vorsichtig damit sein, ihr dafür die Schuld zu geben. Denn die Inszenierung von Achim Bornhak gibt ihr einfach keine Chance, an irgendeiner Stelle ihre Rolle zu entwickeln. Der einzige Schauspieler dem es gelinkt seine Rolle interessant zu gestalten ist Matthias Schweighöfer, der den Rainer Langhans mit gewohnter Stärke spielt.

Jedoch sind seine Auftritte im Film nicht von großer Zahl. „Das wilde Leben“ setzt den Focus nämlich nicht auf Uschi Obermaiers Zeit im revolutionären Berlin, sondern auf ihr Leben bis in die 80er Jahre. Dabei sind die Szenen mit den Rolling Stones zwar ganz lustig geraten, aber die Rockermusiker auf ein bisschen Junkiekomik zu reduzieren ist schon recht arm. Wesentlich mehr Zeit verwendet der Film darauf Uschis Zeit mit Kiezgröße Dieter Bockhorn zu zelebrieren. An den Schauplätzen erkennt man deutlich, dass es der Produktion nicht an Geld fehlte. Aber spätestens hier geht die Dramaturgie des Films flöten und man beschränkt sich auf schöne Bilder. .

Es das ist das größte Problem von „Das wilde Leben“ anstatt so etwas wie Spannung aufzubauen, wird in durch und durch konventioneller Weise das Leben der Uschi Obermaier, von einer Station zur nächsten abgegrast. Als mehrteilige TV Produktion in kleinerem Rahmen hätte das vielleicht funktioniert, aber im Kino ist das nun mal sterbenslangweilig. Auch werden die gesellschaftlichen Hintergründe gerade der Kommune 1 in keiner Weise deutlich. Es wurde wohl auf Rücksicht auf die Zuschauer gar nicht erst versucht, aber es wäre bestimmt interessanter gewesen, als die bedeutungslose  und unglaubwürdige Lovestory in die sich der Film gegen Ende verwandelt.  Zumal die Figuren wie gesagt sehr blass bleiben und Uschi ungefähr so viele Wörter spricht, wie Arnold Schwarzenegger in seinen besten Tagen. Der Film zeigt sie über weite Strecken als naives Dummchen, deren Handlungen weit entfernt von jeder Logik stehen.

Wer übrigens unbedingt die Lebensgeschichte eines Groupies sehen will, dem sei der Erwin C. Dietrich Film „Ich ein Groupie“ mit Ingrid Steeger ans Herz gelegt. In dem geht es zwar auch größtenteils nur um Sex und nackte Haut, aber dabei schläft man wenigstens nicht ein, wie in „Das wilde Leben“


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