Filmblog, Medienblog und der ganz normale Wahnsinn
tth | 15 September, 2007 13:40
Der australischer Polizist Philip, jagt Perverse im Internet und hat schon so ziemlich alles gesehen. Bei seinem letzten Einsatz in Hamburg stieß er auf einen Mann, der bei lebendigem Leib gegessen werden wollte. Und zurück in Australien taucht er direkt wieder in die Tiefen des Internets ab und behandelt seine hübsche Freundin Abby eher Stiefmütterlich. Die hat nach Philips Rückkehr eine gepircte Klitoris und eine recht moderne Auffassung zum Thema Treue. („Nur weil ich mit anderen schlafe, denkst du ich würde dich verlassen. […] Ich habe mit drei anderen Typen gevögelt und mit zwei Frauen während du weg warst!“) Kein Wunder, dass Philip sich direkt wieder in seine Arbeit vertieft. Er stößt auf die Webseite eines Mannes, der fette Frauen immer weiter füttert und so zu Tode mästet. Sein Boss will allerdings nicht Handeln, so dass sich Philip entschließt auf eigene Faust in die USA zu reisen, um den dort ansässigen Fettfetischist zu stellen. Dort hat er zwar keinerlei Polizeigewalt, aber das macht dem Australier gar nichts aus. Bei seiner Recherche trifft er zuerst auf einen Priester, den Ziehvater des Webseitenbetreibers und dann auf diesen selbst. Zu Philips Verwunderung hat er eine überaus hübsche, schlanke, asiatisch anmutende Ehefrau. Nach dem ein oder anderen Psychospielchen und einer Injektion von ranzigem Fett, kommt es zur Konfrontation der beiden Männer und zu einem ganz interessanten Ende.
Wer bei Feed eine gehörige Portion Eckelhorror erwartet, wird wohl enttäuscht werden. Das fette Opfer Deidre ist nicht wirklich schön anzusehen, das schon. Und man muss das Make Up Team des Films für seine gute Silikon- und Latex Arbeit loben. Aber neben einer ungeheuer fetten Frau und Schweinereinen mit Lebensmitteln, ist der Film überaus zahm. Gegen Ende gibt es zwar noch etwas Blut und Anklänge an das Horrorgenre, aber sonst ist der Film mehr ein Thriller. Pate stand vermutlich „Sieben“, in dem Völlerei, wesentlich deutlicher visualisiert wurde. Auch eine Episode der US Serie Nip/Tuck, hatte mal eine fette Frau zum Thema. Doch die war durch ihre eigenen Fäkalien mit dem Sofa verwachsen. Ein wesentlich ekeliger Anblick als alles, was man in Feed zu sehen bekommt. Auch wird man bisweilen an „Das große Fressen“ erinnert und der Ausruf „Füttere Mich!“ lies mich an „Penetration Angst“ denken.
Als Thriller funktioniert Feed nicht wirklich gut. Dafür fehlt über weite Strecken die Spannung. Philips Polizeiarbeit wirkt wie eine Mischung aus lahmen Sonntagabend Tatort und der Geschichte vom Cop der alleine ermittelt. Dumm nur, dass er dabei durch und durch unsympathisch und unglaubwürdig ist. Er bleibt die schwache Figur eines brutalen Typen, von dem man nie so recht weiß, was ihn antreibt. Da ist Michael, der „Feeder“ nicht nur wesentlich interessanter, sondern auch fast sympathischer. Über ihn erfährt man in Rückblenden einiges, über seine fette Mutter und über seine Beziehung zu Pater Turner. Rose Ashton als Philips Freundin ist ein wahrer Blickfang, der für ein bisschen 08/15 Erotik sorgt. Wobei der brutale Sex der beiden nichts mit Blümchensex zu tun hat.
Die pseudophilosophischen Fragen über unser Schönheitsideal und darüber ob ein Mensch sich freiwillig zu Tode fressen kann und wie viel Verantwortung der „Fütterer“ trägt wird nicht wirklich beantwortet. Es hätte dem Film zwar nicht geschadet, hätte er ein paar Logiklöcher gestopft. Doch wenigstens versucht er nicht eine hanebüchene Logik im Stile von Saw 2 und 3 aufzubauen. Das immer wieder hoch gelobte Ende, schafft es schließlich die eigene Logik des Films gut abzuschließen und ist auch als Horrorelement zu betrachten.
Die Optik von Feed ist auch Hochglanz poliert. Billiger, digitaler Hochglanz mit Gelb- und Blaufiltern, aber Hochglanz. Mir gefällt die kühle Optik zwar nicht so gut, aber mit einem höheren Budget, hätten die Filmemacher die wohl auch anders gemacht.
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