Filmblog, Medienblog und der ganz normale Wahnsinn
tth | 31 März, 2007 21:57
Jess Franco ist ja durchaus ein talentierter Regisseur gewesen. Leider hatte er meistens weder ein richtiges Drehbuch, noch ein Budget, noch Zeit oder gar gute Darsteller. Bei Justine aus dem Jahre 1969 ist das augenscheinlich anders. Die Kostüme sind wirklich gut gelungen und auch die meisten Drehorte passen gut zum Film. Auch die Musik tut ihres dazu, dass „Justine“ als Kostümdrama wirklich gut gelungen ist. Die Schauspieler zeigen eine solide Leistung, auch wenn Klaus Kinski als Marquis de Sade eher schwach ist und nur einen losen Rahmen für den Film bildet. Wobei sein Auftritt natürlich dennoch jeden Fan freuen dürfte. Romina Power spielt ihre Hauptrolle gut und man nimmt ihr die naive Justine voll ab. Einige andere Schauspieler sorgen zwar mit ihren Auftritten für ungewollte Komik, aber das brachte das Drehbuch wohl so mit sich. Wirklich düster wird der Film sowie so nicht. De Sades Romanvorlage wurde zwar bis auf einige Abweichungen, wie z.B. das Fehlen einiger Episoden und das neue Ende, recht gut übernommen, aber harte Folter, Sadismus, brutaler Sex oder Vergewaltigung wurden weggelassen. Justines Abenteuer wirken teilweise wenig drastisch, so dass der Film wirklich mehr Kostümdrama als ein Sex und Folterfilm ist. Nackte Haut gibt es leider auch recht wenig. Schade, da Romina Power nackt wirklich eine schönes Bild ist und der Film Platz für mehr nackte Frauenkörper gehabt hätte. Aber Jess Franco typische nackte angekettete Frauen und die ein oder andere Nacktszene gibt es natürlich auch bei Justine. Für eine typische Jess Franco Atmosphäre gibt es außerdem ein paar tolle bunte Beleuchtungen, die zwar die historische Inszenierung etwas verfälschen, aber irgendwie doch schön Aussehen.
Wer eine harte de Sade Verfilmung erwartet, den wird Justine vielleicht Enttäuschen und wer mehr Sex und Perversion sehen will, sollte sich die „Justine“ Verfilmung von 1972 ansehen oder sich gleich den um Längen härteren „Salo – Die 120 Tage von Sodom“ ansehen. Außerdem gibt es wohl noch eine Justin Version von 1975 bzw. 1979 bei der Lina Romay hardcore Szenen hat und Joe d’Amato mitgewirkt hat.
Letzten Endes kann man „Justine“ auf jeden Fall als einen von Jess Francos besten Filmen bezeichnen, in dem er zeigen konnte was er kann und das er weit mehr war als ein Sexploitation uns Trash Filmer.
Regie: Jess Franco
Drehbuch: Harry Alan Towers als Peter Welbeck
Darsteller:
Klaus Kinski ... Marquis De Sade
Romina Power ... Justine
Maria Rohm ... Juliette
Rosemary Dexter ... Claudine
Carmen de Lirio ... Madame De Buisson
Akim Tamiroff ... Du Harpin
Gustavo Re ... Derroches
Mercedes McCambridge ... Madame Dusbois
Serena Vergano ... Prisoner
José Manuel Martín ... Victor
Mike Brendel ... Pierre
Harald Leipnitz ... Raymond
Horst Frank ... Marquis de Bressac
Angel Petit ... Jasmin
Sylva Koscina ... Marquise de Bressac
Howard Vernon ... Clement
Jack Palance ... Antonin
Rosalba Neri ... Florette
Claudia Gravy ... Olivia
Gérard Tichy ... Comte Courville
Luis Ciges ... (uncredited)
Jesus Franco ... White turbaned host in theatre (uncredited)
Aka:
Deadly Sanctuary (USA)
Justine (USA)
Justine and Juliet
Justine ovvero le disavventure della virtù (Italy)
Deux beautés, Les (France) [fr]
Justine (Finland) [fi]
Santuário Mortal (Brazil) [pt]
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