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Marquis de Sade: Justine (1969)

tth | 31 März, 2007 21:57

Während der Marquis de Sade eingekerkert in seiner Zelle sitzt, schreibt er die Geschichte von Justine nieder. Sie wuchs zusammen mit ihrer Schwester Juliette wohlbehütet hinter Klostermauern auf. Doch die beiden müssen die schützenden Mauern des Konvents verlassen, nachdem der Vater das Land verlassen musste und die Mutter gestorben ist. Die lasterhafte  Juliette führt ihr erster Weg direkt in ein Bordell um dort Unterschlupf zu finden. Da dieser Ort der Sünde nichts für die jungfräuliche und über jedes Mass tugendhafte Justine ist, verlässt sie das Freudenhaus und die Wege der Schwestern trennen sich. Naiv wie Justine ist, fällt sie auf einen falschen Priester herein, der ihr das letzte Geld stiehlt. Während Juliette in die Geheimnisse der Liebe eingeweiht wird, landet Justine bei einem alten Mann, der sich nicht nur gern an dem frischen jungen Mädchen ergötzt und sie für sich arbeiten lässt. Er verkauft auch ihre Kleider und will sie dazu bringen den reichen Mann, der ebenfalls im Haus wohnt zu verführen und zu bestehlen. Obwohl Justine weder Sex mit dem Mann, noch ihn bestehlen will, landet sie am Ende doch im Gefängnis. Während Juliette sich mit Mord und in Intrige beschäftigt, gelingt Justine mit Hilfe einer Mitgefangenen die Flucht. Doch deren Räuberbande möchte das junge Mädchen vergewaltigen, was sie schnell wieder von dort fliehen lässt. Sie landet bei einem Maler, der Ausnahmsweise kein schlechter Mensch zu sein scheint und es noch nicht einmal darauf abgesehen zu haben Justine nackt zu malen. Doch diese kurze Ruhephase wärt nicht lange, da Soldaten auf der Suche nach der geflohenen Gefangenen sind. Abermals auf der Flucht, landet Justine bei einem homosexuellen Adeligen. Dieser stellt sie erst als Zofe für seine Frau an, möchte Justine aber dann dazu bringen diese zu vergiften. Justine berichtet der Dame des Hauses vom geplanten Mordanschlag, welche ihr erst glaubt, nachdem ihr Hund an dem für sie bestimmten Gift verreckt ist. Schließlich gelingt es dem Adeligen doch noch seine Frau zu töten. Aus Rache für Justines Ungehorsam brennt er ihr ein M auf die Brust, dass sie als Mörderin branntmarkt. Juliette ihrerseits ist derweilen damit beschäftigt eine Konkurrentin beim Nacktbaden im Fluss zu ertränken. Justine landet unterdessen in einem Kloster, in das sie zum Betten gegangen war, in dem die Mönche sich jedoch nicht dem Gebet und der Meditation verschrieben haben. Stattdessen veranstalten die Mönche Folter und Orgien mit jungen Mädchen. Von diesem Ort der Pein kann sie nach einem Brand fliehen und wird von einem netten Mann gerettet. Dummerweise landet sie kurz darauf wieder in den Fängen der Räuberbande. Diese setzt sie in ihrer Stripshow ein, was natürlich dazu führt, dass sie als gebranntmarkte Mörderin erkannt wird. Sie kann aber vorm Tod durch ihre Schwester gerettet werden, da es diese inzwischen zu Macht und Reichtum gebracht hat.

Jess Franco ist ja durchaus ein talentierter Regisseur gewesen. Leider hatte er meistens weder ein richtiges Drehbuch, noch ein Budget, noch Zeit oder gar gute Darsteller. Bei Justine aus dem Jahre 1969 ist das augenscheinlich anders. Die Kostüme sind wirklich gut gelungen und auch die meisten Drehorte passen gut zum Film. Auch die Musik tut ihres dazu, dass „Justine“ als Kostümdrama wirklich gut gelungen ist. Die Schauspieler zeigen eine solide Leistung, auch wenn Klaus Kinski als  Marquis de Sade eher schwach ist und nur einen losen Rahmen für den Film bildet. Wobei sein Auftritt natürlich dennoch jeden Fan freuen dürfte. Romina Power spielt ihre Hauptrolle gut und man nimmt ihr die naive Justine voll ab. Einige andere Schauspieler sorgen zwar mit ihren Auftritten für ungewollte Komik, aber das brachte das Drehbuch wohl so mit sich. Wirklich düster wird der Film sowie so nicht. De Sades Romanvorlage wurde zwar bis auf einige Abweichungen, wie z.B. das Fehlen einiger Episoden und das neue Ende, recht gut übernommen, aber harte Folter, Sadismus, brutaler Sex oder Vergewaltigung wurden weggelassen. Justines Abenteuer wirken teilweise wenig drastisch, so dass der Film wirklich mehr Kostümdrama als ein Sex und Folterfilm ist. Nackte Haut gibt es leider auch recht wenig. Schade, da Romina Power nackt wirklich eine schönes Bild ist und der Film Platz für mehr nackte Frauenkörper gehabt hätte. Aber Jess Franco typische nackte angekettete Frauen und die ein oder andere Nacktszene gibt es natürlich auch bei Justine. Für eine typische Jess Franco Atmosphäre gibt es außerdem ein paar tolle bunte Beleuchtungen, die zwar die historische Inszenierung etwas verfälschen, aber irgendwie doch schön Aussehen.

Wer eine harte de Sade Verfilmung erwartet, den wird Justine vielleicht Enttäuschen und wer mehr Sex und Perversion sehen will, sollte sich die „Justine“ Verfilmung von 1972 ansehen oder sich gleich den um Längen härteren „Salo – Die 120 Tage von Sodom“ ansehen. Außerdem gibt es wohl noch eine Justin Version von 1975 bzw. 1979 bei der Lina Romay hardcore Szenen hat und Joe d’Amato mitgewirkt hat.

Letzten Endes kann man „Justine“ auf jeden Fall als einen von Jess Francos besten Filmen bezeichnen, in dem er zeigen konnte was er kann und das er weit mehr war als ein Sexploitation uns Trash Filmer.

 

 

Regie: Jess Franco

 

Drehbuch: Harry Alan Towers als Peter Welbeck

 

Darsteller:

            Klaus Kinski    ...        Marquis De Sade

            Romina Power ...         Justine

            Maria Rohm     ...         Juliette

            Rosemary Dexter         ...         Claudine

            Carmen de Lirio           ...         Madame De Buisson

            Akim Tamiroff  ...         Du Harpin

            Gustavo Re      ...         Derroches

            Mercedes McCambridge         ...         Madame Dusbois

            Serena Vergano           ...         Prisoner

            José Manuel Martín     ...         Victor

            Mike Brendel   ...         Pierre

            Harald Leipnitz ...         Raymond

            Horst Frank     ...         Marquis de Bressac

            Angel Petit       ...         Jasmin

            Sylva Koscina  ...         Marquise de Bressac

            Howard Vernon           ...         Clement

            Jack Palance    ...         Antonin

            Rosalba Neri    ...         Florette

            Claudia Gravy  ...         Olivia

            Gérard Tichy    ...         Comte Courville

            Luis Ciges        ...         (uncredited)

            Jesus Franco    ...         White turbaned host in theatre (uncredited)

 

 

Aka:

Deadly Sanctuary (USA)

Justine (USA)

Justine and Juliet

Justine ovvero le disavventure della virtù (Italy)

Deux beautés, Les (France) [fr]

Justine (Finland) [fi]

Santuário Mortal (Brazil) [pt]


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