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Justine de Sade -aka- Justine - Lustschreie hinter Klostermauern (1972)

tth | 17 Dezember, 2006 00:33

Wenn ein und derselbe Stoff Mehrmals verfilmt wird, verliert man schnell mal den Überblick. Ich war eigentlich auf der Suche nach dem Justine Film von Jess Franco, wobei dieser seinerseits gleich zwei Filme unter diesem Titel produziert hat, von denen der bekanntere mit Klaus Kinski als Marquis de Sade auftrumpft. Wobei sich der Kreis zu Jess Franco irgendwie doch wieder schließt, da Hauptdarstellerin Alice Arno in dessen Film Eugénie de Sade ebenfalls zeigen durfte was sie hat und kann.

 

Die beiden Schwestern Justine (bzw. Thérèse) und Juliette wachsen als Waisenkinder in einem Kloster auf. Während Juliette sich durch Sünde, List, Intrige und Mord zur Dame von Reichtum, Macht und Ansehen hocharbeitet, beschreitet die immer tugendhafte und moralische Justine einen Weg der Qualen und Erniedrigungen. Ohne von der Identität der anderen zu wissen begegnen sich die beiden Schwestern und Justine beginnt ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

Sie gerät zuerst an einen perversen Adeligen, der von ihrer Tugend wenig hält und sich von der Jungfrau masturbieren lassen will und wird kurz darauf zum ersten mal eingekerkert, als sie unschuldiger Weise des Diebstahls beschuldigt wird. Aus dem Gefängnis kann sie jedoch mit Hilfe eine Mitgefangenen fliehen, welche sie zu einer Räuberbande führt, von der sie vergewaltigt wird. Als die Räuber einen reichen Reisenden überfallen und diesen umbringen wollen, setzt sich Justine für diesen ein und rettet ihm nicht nur das Leben, sondern flieht mit ihm aus der Gewalt der Räuber. Doch der Mann dankt es ihr nicht. Statt dessen reißt er ihr als er sich in Sicherheit glaubt die Kleider vom Leib, schlägt sie mit einem Stock nieder und vergewaltigt sie ebenfalls. Im Wald entdeckt sie später ein schwules Liebespaar, dass sie aber auch sadistisch quält und dann dazu bringen will einen Giftmord zu begehen. Als sie diesen nicht ausführt, quält man sie erst mit ein paar bissigen Hunden und lässt sie dann allein zurück. Verletzt landet sie bei einem Arzt, der nebenbei ein Mädchenpensionat betreibt und mit den Mädchen sadistische Auspeitschungen veranstaltet. Nachdem sie von dem Arzt mit einem glühenden Eisen gebranntmarkt wurde, verschlägt es Justine in ein Kloster. Doch auch in diesem regiert nicht die christliche Tugend. Die Mönche veranstalten Gelage, Sexorgien und sadistische, religiöse Rituale. Nach dem Flucht aus dem Kloster gerät Justine abermals an einen adeligen, dessen Sexorgien und SM Sex Spiele alles vorangegangene in den Schatten stellen. Als sie auch die diesem Martyrium entkommen kann, rettet sie einem Mann das Leben, der sie jedoch in sein Schloss mitnimmt und dort als Sklavin hält. Sie muss bis zum umfallen schuften und die an Nekrophilie grenzenden sexuellen Phantasien des Mannes befriedigen.

Im Anschluss an diese Episode kommt es zu Justines Verhaftung und zum - die Rahmenhandlung bildenden - Treffen mit der Schwester. Als sich die beiden Erkennen und Juliette ihrer Schwester verspricht, dass nun alles Elende für sie ein Ende habe, wird Justine jedoch vom Blitz getroffen und stirbt.

 

Diese Justine Verfilmung hält sich recht genau an die Romanvorlage des Marquis de Sade. Natürlich wird nicht alles was der Erfinder des Sadismus niederschrieb in aller Deutlichkeit gezeigt. Das was gezeigt wird, ist zudem wirklich astethisch in Szene gesetzt, so dass sich der Film von der Masse des Sexploitation, wie ihn der Gute oben erwähnte Jess Franco bisweilen produzierte, deutlich abhebt. Die Frage ob man die erotischen Reize des Films genießen kann, oder ob man von der gehörigen Portion Erniedrigung und (letzten Endes doch harmloser) Perversion eher angewidert ist, muss freilich jeder selbst für sich beantworten. Nicht nur der Sex und seine sadistischen Spielarten sind hier gut inszeniert, auch die schauspielerische Leistung ist solide. Auch die Kostüme sind für einen solchen Film überdurchschnittlich gut, so dass wirklich so etwas wie spätbarocke Kostümfilmatmosphäre aufkommt. Alles in allem ist das was Claude Pierson aus dem Roman von Marquis des Sade gemacht hat wirklich ansehnlich. Doch man muss leider sagen, dass es für richtig anspruchsvolle Erotik nicht ganz gereicht hat, da man den so inszenierten Film, doch im Sexploitation ansiedeln muss. Aber ich würde Justine bescheinigen, einer der hochwertigsten Vertreter dieses Genres zu sein.



Regie:

Claude Pierson

Drehbuch:

Huguette Boisvert

Darsteller:

Alice Arno .... Justine/Thérèse

Yves Arcanel .... Dom Sévérino

Michel Bertay

Georges Beauvilliers .... Roland

Chantal Broquet

Christian Chevreuse .... Comte de Gernande

Franco Fantasia .... Saint-Florent

Lida Ferro

Roberto Lande

Robert Lombard

Maurice Mirowski

Max Montavon

Diane Lepvrier .... Comtesse de Gernande

Marco Perrin .... Clément

Marcel Portier


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