Filmblog, Medienblog und der ganz normale Wahnsinn
tth | 26 Januar, 2006 19:47
Ich gebe es offen und ehrlich zu. Ja ich habe noch nie einen
Woody Allen Film gesehen! Ich weiß, dass das ein cineastisches Versäumnis ist.
Aber es gibt mir wenigstens die Chance seinen neues Film Match Point zu sehen
und ihn hier zu besprechen, ohne vorher zu sagen, dass Woody Allen in den
letzten Jahren immer die gleichen, aber guten Filme gemacht hat und dass Match
Point seit langem sein bester ist und er anders als alle anderen ist.
Zu Beginn sieht man ein Tennisnetz. Ein Ball kommt angeflogen und berührt dieses. Stopp. Aus dem Off erfahren wir, dass in dieser Situation alles möglich ist. Entweder fällt der Ball auf die eine Seite und man verliert oder auf die andere und man gewinnt. Es hängt alles vom Glück ab.
Glück hat der ehemalige Tennisprofi und jetzige Edel Tennislehrer Chris Wilton (Jonathan Rhys-Meyers) zu Beginn des Films jede Menge. In seinem Tennisclub lernt er den Sohn reicher Eltern Tom Hewett (Matthew Goode) kennen und bekommt über ihn Zugang zur Londoner Oberschicht. Schnell beginnt er auch eine Liebesaffäre zu Toms Schwester Chloe (Emily Mortimer) und ist steigt in der Firma ihres Vaters gesellschaftlich schnell auf als sich die Beziehung festigt. Als Chris jedoch Toms Verlobte, die erfolglose amerikanische Schauspielerin Nola (Scarlett Johansson) kennen lernt gerät sein Glück ins Wanken. Die beiden verbindet was ihnen in ihren eigenen Beziehungen zu fehlen scheint. Leidenschaft und Liebe. Als Tom Nola verlässt und sie aus London wegzieht kann Chris sie nicht vergessen. Chloe versucht unterdessen um jeden Preis schwanger zu werden was die sexuelle Beziehung zu ihrem Mann sehr stark mechanisiert. Als Chris Nola schließlich wieder findet, beginnen beide aufs Neue eine leidenschaftliche Affäre. Schließlich droht sich eine Tragödie von griechischem Ausmaße als Nola schwanger wird aber Chris seine Frau nicht verlassen will, da er nicht bereit ist all sein Erreichtes für seine Leidenschaft und wahre Liebe zu opfern. Bei ihm sieht die Habgier.
Die Habgier und das Glück, sind die zentralen Elemente in
Allans Film. Chris wird sprichwörtlich durch Glück und nicht durch harte Arbeit
vom Tellerwäscher zum Millionär. Er ist dabei kein schlechter Kerl, der
besonders raffgierig erscheint. Vielmehr fällt ihm alles wie von selbst in den
Schoss. Schlecht wird er erst ab dem Zeitpunkt an dem er beginnt Nola zu
belügen. Aus dem was einmal Liebe zwischen den beiden gewesen zu sein scheint
wird aus Chris’ Sicht so eine art Fickbeziehung, da er die materiellen
Annehmlichkeiten über seine Gefühle stellt. Zu was für Mitteln er am Ende
greift um sich seinen Lebensstandart zu erhalten erschreckt einen und lässt den
Zuschauer nur die Möglichkeit, den Chris als „Held“ des Films zu hassen.
Besonders schlimm erscheint da, dass Chris bei allem was er getan hat nicht
bestraft wird. Am Ende ist um in er Metaphorik des Films zu bleiben wieder
Match Point und Chris hat wieder unbeschreiblich großes Glück, so dass seine
Taten nicht bestrafft werden können. Moral oder „das Gute“ haben in diesem Film
keine Bedeutung und diese Erkenntnis wird dem Zuschauer schonungslos und ohne
Schnörkel, direkt mit der Faust in den Magen kredenzt. Wenn Chris am Ende
versucht sich für seine Taten zu rechtfertigen, kommen einem seine Argumente,
aus der Welt der Politik irgendwie bekannt vor, aber dieser Effekt ist wohl
eher zufällig. Vielmehr belügt Chris sich am Ende selbst und flüchtet sich in
Ausreden um sein unmoralisches Handeln zu legitimieren. Diese Botschaft, dass
die Moral am Ende verliert ist es, was Woody Allens Film auszeichnet und ihn
neben seinen guten Darstellern, der wunderbaren Musik und der nahezu perfekten
Machart 100% sehenswert machen, so dass man volle zwei Stunden gefesselt ist.
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