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Keine Lieder über Liebe

tth | 02 November, 2005 15:39

Der junge (Möchtegern-?) Regisseur Tobias (Florian Lukas) setzt sich in den Kopf seinen ersten richtigen Film über die Band seines Bruders Markus (Jürgen Vogel) bzw. im speziellen über ihn zu machen. Dessen Band die „Hansen Band“ hat gerade ihr Tour in Norddeutschland gestartet und steht nach Tobias Auffassung vor dem Durchbruch. In Wirklichkeit ist der Film auch wenn Tobias dass sich erst nicht eingestehen will, der Versuch eine Geschichte aufzuklären die vor einem Jahr passiert ist und die die Beziehung zwischen ihn und seinem Bruder ins wanken gebracht hat. Damals hatten er und seine Freundin Ellen (Heike Makatsch) zu Markus besucht um ihm etwas halt zu geben, da ihn gerade seien Freundin zusammen mit dem gemeinsamen Kind verlassen hatte. Tobias vermutet, dass die beiden damals etwas miteinander hatten. Aus diesem Grund lässt er Ellen nach kurzer Zeit dazu stoßen, was dazu führt, dass sich sein Film davon verabschiedet eine Banddokumentation zu sein. Der Film verwandelt sich in ein Drama über die Dreiecksbeziehung, die die drei „Helden“ verbindet.

Eine Film im Film pseudo- Banddokumentation gepaart mit einer Geschichte von zwei sehr verschiedenen Brüdern, die ihre Beziehung wieder gerade rücken wollen und dabei vor dem Problem stehen, dass der eine Sex mit der Freundin des anderen hatte; so könnte man „Keine Lieder über Liebe“ vielleicht am besten beschreiben. Viel Inhalt den sich da Regieseur Lars Kraume vorgenommen hat. Das dachte er sich wohl auch selbst. Aber der Kunstgriff alles unter einen Hut zu bekommen, gelinkt ihm nicht. Vielmehr wirkt der Film nach einer Weile extrem unausgegoren und weißt vor allem zum Ende recht langatmige Längen auf, die nicht hätten sein müssen. Spielt zu Beginn, die Band noch eine kleine Rolle, so sind die Musiker am Ende noch nicht einmal mehr Statisten, da sich alles nur noch um die Dreiecksbeziehung dreht. Dieser jedoch fehlt es an echter Dramaturgie. Dem Zuschauer ist von vornherein klar, dass zwischen Ellen und Markus in Berlin etwas gewesen sein muss. Und dass da noch etwas zwischen den beiden ist, wird von der Kamera auch immer wieder eingefangen, so dass man sich irgendwann doch über Tobias wundert, dass er nicht viel früher die Karten auf den Tisch legt. Die Diskussionen die zwischen dem teilweise recht belanglos wirkenden Gezanke so etwas wie kleine Höhepunkte darstellen, sind leider ein wenig zu gewollt tiefgründig geraten und fügen sich nicht wirklich gut ins Gefüge des Films ein. Lernt man in einer (echten) Dokumentation schon mal was über dass Seelenleben der beobachten, bleiben die Figuren hier seltsam entfernt auch wenn die Kamera, versucht intime Situationen einzufangen. Meiner Auffassung nach, wäre der Film als Kurzfilm wesentlich besser angelegt gewesen und vor allem die letzten Minuten in denen noch Tobias und Markus alkoholabhängige Mutter weltentfremdet von der Vergangenheit spricht, hätte man besten Gewissens weg lassen können. Um den Film jetzt nicht ganz zu zerreißen, muss ich sagen, dass er mir am Anfang echt gut gefiel was zu einem an von mir geliebten Dokumentarstill (ich sag nur Cannibal Holocaust) liegt und zum anderen an der wirklich guten Musik der Hansenband. Diese kann ich ohne Bedenken weiter empfehlen. Als Fazit kann ich sagen, dass man sich in diesem Film zu viel vorgenommen hat und am Ende leider gescheitert ist. „Keine Lieder über Liebe“ ist leider nur ein mittelmäßiger Film, in dem mehr hätte drin sein können.


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