Filmblog, Medienblog und der ganz normale Wahnsinn
tth | 27 Oktober, 2005 11:12
Ein Mann schneidet sich den Oberschenkel auf und steckt sich ein Metallrohr tief ins eigene Fleisch. So beginnt Tetsuo – The Ironman, ein recht ungewöhnlicher (oberflächliche und intolerante Menschen würden „kranker“ sagen) Film aus Japan. Aber das ist erst der harmlose Anfang.
Ein Mann entdeckt morgen beim rasieren ein Stück Metall in seiner Wange. Auf dem Weg zur Arbeit wird er dann auf einmal von einer Frau mit einer riesigen Metallklaue anstatt einer Hand angegriffen und verfolgt. Später wächst ihm selbst Metall aus dem Arm und an seinen Fersen bilden sich seltsame Metalldüsen. Es folgt eine Art Tagtraum in dem die Freundin des Mannes unschöne Dinge, mit einer Art Umschnalldildo (Schnallemann?) in Form eines Riesenmetalltentakels mit ihm macht. Als er schließlich bei seiner Freundin ankommt hat sich jedoch der Penis des Mannes in einen riesigen Metallbohrer verwandelt, was den Beischlaf doch etwas verkompliziert. Der Mann scheint am Ende ganz und gar aus Metall zu bestehen, da taucht der Metals Fetishist auf. Er scheint eine Art Macht über Metall zu haben und sucht den Kampf oder etwas anders mit dem Ironman.
Wie man vielleicht merkt ist die Story von Tetsuo – The
Ironman ein ganz klein wenig verwirrend wenn nicht gar seltsam. Man muss sich
bei diesem Film einfach mal von dem Gedanken trennen, dass Story das wichtigste
ist, was ein Film zu bieten hat. Was nicht bedeuten soll, dass der Film keine
hat. Sie ist nur recht simpel, dabei jedoch recht schwer nachzuvollziehen. Das
liegt auch daran, dass Dialoge eher Mangelware sind, was aber den Ablauf des
Films nicht im geringsten stört. Der Film lebt eher von seiner irren
schwarzweiß Ästhetik und Optik, seinem Sound und den schellen Schnitten. Es ist
eine Horrorachterbahnfahrt die wo „die Fliege“ oder Kafkas „Die Verwandlung“
auf Drogen erscheint. Es ist dabei sogar vorteilhaft, dass man gar keine
Erklärung für die Verwandlung des Mannes zu einem Metallmonster bekommt, da so
der Horror noch viel größer ist. Das Verwandlungsthema des Films lässt sich
vielfach interpretieren, ist aber wohl, da sich hier ein Mensch in eine
Maschine verwandelt am ehesten ein Metapher für das moderne Japan. Im Ironman
spiegelt sich quasi die unterschwellige Angst der Japaner vor einer
übertechnisierten Welt wieder, in der die Japaner nun mal leben. Parallelen zum
Finale von Akira sind deutlich zu erkennen. Ein anderes Motiv, was mir jetzt
persönlich aufgefallen ist, ist die Sache mit dem Phallus. Der Bohrerpenis und
das Metalltentakel passen ins Schema der übergroßen Penisse, die z.B. die
klassische Japanische Erotik Darstellung dominieren. Wobei die Szene in der die
Freundin den Man mit einem Metall Tentakel penetriert, auch ein Vorgeschmack
auf das homosexuelle und homoerotische Ende des Films seien könnte. Nichts
desto trotz, war dieser Film ganz eindeutig Still gebend für unzählige später
entstandene Tentakelhentais, wobei diese in Japan ja auch eine sehr viel
längere Tradition haben. Die Musik des Films passt in jeder Szene nahezu
perfekt zu den Bildern. Es ist meistens ein bedrohlich wirkender Industriel
Sound, der die metallische Wirkung der Bilder noch verstärkt. Alles in allem
ist der Film wieder einmal der Beweis dafür, dass Japaner Filme machen können,
die sich ganz klar vom Europäischen und Amerikanischen Kino unterscheiden.
Leute die außergewöhnliche Filme mögen oder auch nur Fans von allem was aus
Japan kommt sollten sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen.
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